Bericht vom 25.11.2019

5 Seen Wochenanzeiger

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Der traut sich was

Segler Micki Liebl will im Boot-Winzling über den Atlantik

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In so einer Nussschale will Micki Liebl den Kampf mit den Elementen aufnehmen. (Bild: Hauck)

Allein in einer winzigen Nussschale auf dem Meer, im Kampf mit den Naturgewalten, wochenlang Tütensuppe und Schlaf-Portionen von gerade mal 20 Minuten: so sieht der Traum von Micki Liebl aus. Der Segler aus dem Münchner Yacht-Club (MYC) will in einem winzigen, nur sechseinhalb Meter langen Boot über den Ozean segeln. Aber nicht einfach zum Vergnügen, sondern um sich mit den Besten dieser Disziplin zu messen.

Einhandregatten wie die „Transat“ in der Bootsklasse „Mini“ gehören zu den härtesten Wettbewerben der Welt. Etwa 30 Tage am Stück auf dem Meer, ganz auf sich gestellt, ohne jemand, der einen mal ablöst. Alles muss man alleine machen. Eine Hand immer am Steuer. Eine Kajüte, in der man sich kaum umdrehen kann. Aber das ist nichts gegen die Herausforderung, den Schlafentzug. Denn von sieben Stunden Nachtruhe kann der Skipper nur träumen. Wer schläft, hat keine Kontrolle über das Steuer, so einfach ist das, und verliert mit einem schlechteren Kurs wertvolle Zeit. Deswegen legen sich die Teilnehmer maximal 20 Minuten aufs Ohr. Ans eigene Limit und vielleicht darüber hinaus zu gehen, davon will sich Micki Liebl aber nicht schrecken lassen. „Einhand-Segeln ist extrem“, sagt der durchtrainierte 54-Jährige, der in Neuried lebt. „Körperlich und mental ist das die totale Herausforderung.“ Aber er mag das: “Beim Segeln tauchst du völlig ein in die Elemente, die die Natur dir entgegenwirft. Du musst das Schiff durch ständig drehende Winde manövrieren, du segelst in ungeheurer Hitze oder bei frierender Kälte.”

Nie länger als 20 Minuten

Bislang segelte der erfolgreiche Regattasportler ausschließlich auf Binnenseen und in Küstenrevieren, wo er zahlreiche Wettbewerbe und Titel gewann. Der Höhepunkt seiner 45-jährigen Segelkarriere war der Gewinn der internationalen Deutschen Meisterschaft in der H-Boot-Klasse im Jahr 2009. Jetzt hat sich der durchtrainierte Segler aber ein neues Ziel gesetzt, allein über den Ozean von Frankreich bis in die Karibik.

Im Sommer hat sich Liebl ein gebrauchtes Trainingsboot gekauft, das er in seinem Heimathafen, dem Münchner Yacht-Club, momentan auf Wettkampfniveau bringt. Dann geht’s im nächsten Frühjahr los mit dem taffen Zeitplan für die Qualifikationsphase. Denn für die Teilnahme an dem Ozeanrennen muss man in den fünf Jahren davor seine Tauglichkeit mit Regatten wie 1.000 Seemeilen nonstop bewiesen haben. Für 2023 plant Liebl dann, sich für die Mini-Transat anzumelden. Für einen Amateur wie Liebl ist es nicht nur der Kampf mit den Elementen, der die Sache erschwert. Im Gegensatz zu den meisten Teilnehmern aus Frankreich, Spanien, Italien und England hat er keinen Profivertrag. Als Amateur kann er sich nicht voll aufs Training konzentrieren, sondern muss sich in erster Linie um sein eigenes Unternehmen für Messebau kümmern. Auch das Boot und die Startgelder muss er aus eigener Tasche bezahlen.

Die Mini-Transat ist eine seit 1977 alle zwei Jahre stattfindende Segelregatta, die von dem Briten Bob Salmon ins Leben gerufen wurde. Insgesamt ist man etwa 30 Tage unterwegs von La Rochelle bis nach Martinique, mit nur einem Stopp auf den Kanaren.

Pioniersegler Wolfgang Quix

„Das war ein Riesenabenteuer“, erinnert sich Wolfgang Quix, der als erster deutscher Teilnehmer 1977 dabei war. „Poor Man’s Race“ habe der Wettbewerb anfangs spöttisch geheißen, weil sich auch weniger betuchten Seglern mit den Mini-Booten anstatt der großen Yachten eine Startchance bot. Zwei Schiffe seien damals verschollen geblieben. Als Proviant hatte Quix 60 Liter Wasser, Konservendosen und Cola an Bord. 15 Kilo hat er in den 32 Tagen abgenommen. Der alte Hase kann Liebl jede Menge Tipps weitergeben, gerade was den Schlafrhythmus betrifft. „Man darf nie an den Punkt der totalen Ermüdung kommen“, rät er. „Sobald das Schiff auf Kurs und nix los ist, dann schnell mal ein Nickerchen machen.“